Egerländer tanzen in Karlsbad
(30. Internationales Folklorefestival in Karlsbad 5.- 7. September 2025)
Richard Šulko
Die Folkloregruppe „Dyleň“ (Tillenberg) aus Karlsbad organisierte in den Tagen 3. – 7. September 2025 schon das 30. Internationale Folklorefestival in Karlsbad. Dyleň existiert unter diesem Namen in Karlsbad seit 1974. Davor hieß es Mládí (Jugend) und die Anfänge des Ensembles reichen bis ins Jahr 1957 zurück. Heute ist es eines der bekanntesten Folkloreensembles in Westböhmen. Der Schwerpunkt liegt auf Volksliedern und Tänzen aus dem westlichsten Teil Böhmens, der Karlsbader Region und dem Grenzgebiet rund um den Fluss Eger, einer Region, in der Tschechen und Deutsche seit Jahrhunderten Seite an Seite lebten. Zum ersten Mal in der Festivalgeschichte wurde auch die Egerländer Volkstanzgruppe „Die Målas“ und das Duo „Målaboum“ vom „Bund der Deutschen in Böhmen“ aus Plachtin eingeladen, um die Arbeit der „verbliebenen“ Egerländer zu zeigen. Mit Karlsbad verbindet uns Vieles und deswegen fuhren die Egerländer aus Plachtin mit großen Erwartungen in die größte Kurstadt des Egerlandes.
Der erste Auftritt erwartete die Gruppe direkt am Hotel Thermal am Freitagnachmittag. Ursprünglich sollten sie bei der Post am Markt auftreten, aber wegen der schlechten Wettervorhersage wurde dann das Podium auf der Fläche neben der schrägen Treppe im Thermal aufgebaut. Vor dem Auftritt der Egerländer trat die indische Gruppe „Banasthali Vidyapith“ aus Rajasthan auf. Diese Studentengruppe führt traditionelle Tänze wie Chari, Ghumar und den heute beliebten Punjabi-Tanz Bhangra auf, der seinen Ursprung bei Erntedankfesten hat. Begleitet von Dhol- und Dholak-Trommeln und dem Blasinstrument Shenay präsentieren sie farbenfrohe Kostüme und traditionellen Silberschmuck. Sie bieten dem Publikum einen Einblick in die vielfältige und dynamische Kultur ihrer Region. Nach fünf Egerländer Volksliedern und drei Egerländer Volkstänzen führte der Weg nach Altrohlau, wo im ehemaligen Arbeiterheim für die Mitwirkenden ein Abendessen vorbereitet wurde. Dank eines Festival-Sponsors, welcher Fleischspezialitäten herstellt, konnten die Teilnehmer feine Sachen ausprobieren.
Vor der Bezirkshauptfrau des Bezirks Karlsbad…
Samstagfrüh eilte die 14-köpfige Gruppe der Egerländer nach Falkenau: dort wurde vom Minderheitenausschuss des Bezirkes Karlsbad schon der 17. „Tag der Minderheiten“ organisiert. Den Anfang machte die Roma-Gruppe GITANES von Milan Krok und Milan Demeter aus Prag. Als zweite Gruppe kamen die Egerländer aufs Podium. Mit vier Egerländer Volksliedern, vorgetragen von den „Målaboum“ und fünf Egerländer Volkstänzen: Af Matzlboch bin i g´foarn, Sternpolka, Schäi(n lustig u kerngout, U wenn i(ch za mein Moidla gäih und Kurnauer Duarl erfreuten sie die Zuschauer. Nach dem Auftritt wurde noch schnell auf dem alten Marktplatz gegessen und nach dem „Pflichtfoto“ am Brunnen mit dem „Wastl“ ging es wieder nach Karlsbad, ins Museum. Dort spielte das Duo „Målaboum“ bei der Ausstellungseröffnung „30 Jahre Folklorefestival in Karlsbad.“ Bei diesem Festakt war auch die Bezirkshauptfrau des Bezirkes Karlsbad, Frau Jana Mračková Vildumetzová anwesend, welche sich bei den Hauptorganisatoren des Festivals, dem Ehepaar Lubor und Eva Hanka für ihre jahrzehntelange Arbeit bedankte. Beim Auftritt traten die Målaboum mit fünf Egerländer Volksliedern auf, vor dem letzten, dem „Kaiserwåld“ erwähnte der Måla Richard das traurige Schicksal der Vertreibung und des Heimwehs.
Umzug mit 300 Teilnehmern
Der Höhepunkt jedes Folklorefests ist der Trachtenumzug. Bei diesem startete der Zug bei der Marktkolonnade. Zuvor nutzten die Gruppen jedoch die Möglichkeit aus, ein gemeinsames Foto auf der großen Treppe zu machen, welche sich neben der Dreifaltigkeitssäule vom Oswald Josef Wenda befindet. Im Hintergrund mit dem Egerländer Hof. Der Trachtenumzug führte dann an der linken Seite des Flusses Tepl an der Mühlkolonnade vorbei, bis zum Hotel Thermal. Die Gruppen konnten dann in einzelnen Musik- und Tanzeinladungen ihr Können zeigen. Wie z. B. hinter der Mühlkolonnade bei der großen „Becherbitter-Flasche.“ Die Målas liefen mit einem kleinen Leiterwagen mit, der für den kleinen Veit gedacht war. Weil aber der Weg doch zu lang war und die Zither mit dem Notenkoffer schwer ist, wurde sie in das Wäglein verfrachtet und der Veit musste zu Fuß laufen. Nach ein paar Metern brach jedoch das Rad ab und das Fahrgestell musste repariert werden. Beim Zuschauen, wie die Egerländer in Trachten den kleinen beladenen Leiterwagen hinter sich zogen, hat ein Zuschauer gesagt: „Das sieht wie eine Szene aus der Vertreibung aus!“ Vor dem großen Gala-Abendprogramm im Thermal waren die „Målaboum“ wieder gefragt: im Foyer der Hotel Thermal spielten sie für die Besucher, die zum Galaprogramm gingen. Es ergaben sich dabei auch interessante Gespräche. Vor dem Konzert lud der Leiter des Festivals, Lubor Hanka die Gruppenleiter zu einem Glas Wein ein und die Gruppenleiter bekamen kleine Geschenke. Auch die Gruppen bedankten sich für die Einladung mit einem Präsent.
Voller Sonntag….
Sonntagfrüh startete der Tag um halb zehn auf der Marktkolonnade mit einem Frühstück, sehr liebevoll von der Folkloregruppe Dyleň vorbereitet. Mit Kaffee und Kolatschen gestärkt folgte ein buntes Vormittagsprogramm. Gestartet wurde mit einem Becherbitter- und einem Trinkspruch von Lubor Hanka. Danach machten die „Målas“ einen kleinen Spaziergang über den Sprudel Richtung Grandhotel Pupp und genossen ein Getränk an der Tepl in der schönen, warmen Herbstsonne. Der Höhepunkt des Festivals sollte für die „Målas“ erst kommen: Nachmittag hatten sie zwei Auftritte mit je 35 Minuten auf dem Podium bei der Post. Nach dem ersten Auftritt konnte die Gruppe die Gäste aus Österreich bewundern: Pfarrwanger Schuhplattler aus Adlwang. 1991 kamen Jugendliche aus den oberösterreichischen Dörfern Pfarrkirchen und Adlwang auf die Idee, zum Ball eine originelle Mitternachtstanzvorstellung aufzuführen. Das Publikum war so begeistert, dass die Gruppe beschloss, weiterzumachen – und so entstand der „Pfarrwanger Schuhplattler“. In den folgenden Jahren wuchs die Begeisterung für den gleichnamigen traditionellen Volkstanz und damit auch die Mitgliederzahl. Heute zählt die Gruppe 37 motivierte Tänzerinnen und Tänzer, die längst nicht mehr nur aus Pfarrkirchen und Adlwang stammen. Diese Gruppe erntete den größten Beifall. Um halb vier sangen die Målaboum und tanzten die Målas zum letzten Mal in Karlsbad und nahmen Abschied. Ein wunderschönes Wochenende und großer Dank an unseren Delegat, der uns das ganze Wochenende begleitete: Petr Holub von der Folkloregruppe Dyleň!