"Bund der Deutschen in Böhmen, e.V.", Sitz: Netschetin / Nečtiny in Tschechien ist ein Verein der deutschen Minderheit in Westböhmen.

Vereinszweck:

  • Erhalt der deutschen Sprache und des „Egerländer Kulturerbes“
  • Schutz der Interessen der deutschen Minderheit
  • Völkerverständigung, insbesonders zwischen GER und CZE

Literarisches Café der Ackermann-Gemeinde in Weiden
(Autorenlesung Richard Šulko am 13. März 2026 in der Volkshochschule Weiden-Neustadt)

M.R.

 

Auf Einladung vom Harald Krämer von der Volkshochschule Weiden-Neustadt gGmbH fuhren die „Målaboum“ aus Plachtin diesmal nach Weiden in der Oberpfalz.

Der Unterschied zu anderen Lesungen bei den deutschen Vereinen in Tschechien konnte nicht größer sein: anstatt 500 Kilometer nach Havířov im Teschner Schlesien mussten die Plachtiner nur 108 Kilometer fahren. Auch die Zuhörerinnen und Zuhörer waren anders: im Osten der Republik musste ich ab und zu etwas aus dem Egerländrischen ins Deutsche oder Tschechische übersetzten, in der Oberpfalz ist die Sprache ähnlich: Die Eghalandrische Mundart (besser bekannt als Egerländisch) stammt aus dem historischen Egerland, einer Region rund um die Stadt Eger. Linguistisch wird Egerländisch als Nordbairischer Dialekt eingeordnet. Deshalb ist das Egerländisch wie das Oberpfälzische. Typische Gemeinsamkeiten: ähnliche Vokale und Diphthonge, ähnliche Grammatik (z. B. Artikel und Verbformen), ähnliche Aussprache von „r“, „a“ und „oa.“

In einer Paten- und Partnerstadt

Das eineinhalbstündige Programm war ähnlich dem aus Regensburg: nach dem Eingangslied „Asm Eghalånd bi(n i(ch“, gesungen vom Måla Richard und begleitet auf der Zither vom Vojtěch Šulko, begrüßte Harald Krämer die Anwesenden. Es waren 25 Interessierte, die in die Aula der Volkshochschule in Weiden-Neustadt gekommen waren! Unter den Zuhörerinnen und Zuhörern waren auch Leute, die entweder aus dem Egerland stammten, oder einen Bezug dazu haben. Weiden ist ja Patenstadt zu Tachau und Partnerstadt zu Marienbad: Die Stadt Weiden in der Oberpfalz ist Patenstadt für den ehemaligen Landkreis bzw. die Stadt Tachau: Diese Patenschaft besteht seit 1956. Sie bezieht sich auf die vertriebenen Deutschen aus dem Landkreis Tachau nach dem Zweiten Weltkrieg. Weiden übernahm symbolisch die Patenschaft, um deren Kultur und Tradition zu bewahren. Das ist keine Städtepartnerschaft, sondern eine historische Patenschaft für eine Vertriebenengemeinschaft. Partnerstadt zur Kurstadt Marienbad ist Weiden seit 2008. Ziel ist Zusammenarbeit und Austausch zwischen den Städten (Kultur, Besuche, Veranstaltungen).

Wechselnd: Lied, Text, Lied…

In der Lesung wurden immer abwechselnd Text und Gesang vorgetragen, um sie interessanter zu machen und damit auch die Anwesenden mitsingen können. Gleich der erste Text „Unna Eghalånd“ wurde wegen der Grenznähe extra gewählt, weil man in ihm den Verlust der Heimat behandelt. Es sollte aber nicht so traurig enden: gleich danach kam das Lied „A schäi(n)s Liedl asn Eghalånd“, was wiederum Freude brachte. Im nächsten Text „Sa fråuch“ behandelte der Autor das Thema Vertreibung in eine reichere Welt mit dem Thema zu Hause bleiben zu können. Sehr viel Beifall brachte die Geschichte „Sua röicht d´Hoimat.“ Das folgende Volkslied „Die Gärtnerin“ war einigen Zuhörerinnen und Zuhörern bekannt, wie man von ihren Lippen lesen konnte. Weil der Fasching nicht lange her war, wurde auch der Text: „Da Geist vam schwårzan Teichl” vorgetragen. Der Autor trug auch einige Liebesgeschichten vor, auch eins aus der „Viruszeit:“ „Liebe in der Viruszeit II“. Das Liebesgedicht „Sehnsucht“ brachten die Menschen auch zum Lachen, weil es im spannendsten Augenblick beendet wurde. Die Geschichte „Bam Feda(r)n- Schleißan“ fand auch ein großes Echo, weil Leute dabei waren, die noch das Federschleißen mitmachten. Das letzte Gedicht war „Ich bin verliebt.“ Mit der Heimatliebe, jedoch erotisch verfärbt endete die Lesung. Das Abschlusslied „Kaisawåld“ stimmte alle wieder ein wenig nachdenklicher, aber nach dem langen Abschlussbeifall wurde noch die „Plachtiner Hymne“ als Zusatz gegeben.

Nach der eigenen Lesung gab es noch eine Fragrunde, in der sich sehr viel Zuhörerinnen und Zuhörer für die Geschichte der verbliebenen Deutschen interessierten und nach den verschiedensten Themen um Deutsche in Tschechien fragten.