Ostern 2026 im östlichen Egerland
3.- 6. April 2026 in Netschetin und Umgebung
Richard Šulko
Die Osterzeit ist für die Christen die wichtigste Zeit im Jahr, weil man an die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus von den Toten erinnert. Für die „verbliebenen“ Egerländer aus Plachtin ist es aber auch eine Zeit, in der viele Bräuche gepflegt werden.
Zum Karfreitag gehören schon seit mehreren Jahren die „Ratschnboum“ und ihr Rundgang von Netschetin nach Plachtin. Dieser „Spaziergang“, der eigentlich ein kleiner Kreuzweg ist, gehört bei den Kindern und Jugendlichen zu den beliebtesten Aktivitäten in der Jugendarbeit des „Bundes der Deutschen in Böhmen.“ Eigentlich startet man Mittag am Gründonnerstag und geht drei Mal am Tag durchs Dorf, am Karsamstag in der Früh zum letzten Mal. Weil aber die Erwachsenen am Gründonnerstag manchmal bis zum späten Nachmittag arbeiten müssen, nutzte man die letzten Jahre, als endlich der Karfreitag zum freien Tag wurde, diesen Tag, um an den schönen Brauch zu erinnern.
Rekordzahl
Mit elf „Ratschboum,“ das ist eine Rekordzahl in den 30 Jahren, startete der Rundgang, wie immer bei den „Potinarn.“ Mit den im Jahre 1996 hergestellten „Ratschen“ oder „Rumplkasten“ werden die Vereinsmitglieder und Freunde besucht und mit dem Spruch:
„Klåppa, klåppa Oins, döi Henna legt a Kloins,
Klåppa, klåppa zwoa, döi Henna legt a Oa,
Klåppa, klåppa drei, i(ch gröich a bravs Wei(b,
Klåppa, klåppa vöiara, wenn´s ma(n recht v(ü)ll gebts, is ma(n tausendmål löiwa!“
wird allen Frohe Ostern, oder „G´sunda Feiertågn“ gewünscht. Als ein kleines Dankeschön bekommen die Kleinsten Eier, Schokolade oder Geld und die Erwachsenen meistens ein „Stamperl.“ Zu „Pflichtterminen“ gehört schon das Gasthaus „am Rathaus“ in Netschetin und das Netschetiner Museum, in welchem zum ersten Mal die neue Direktorin, Frau Marcela Mojžíšová, die „Ratschen“ hörte. Vom Museum ging es am Waldesrand, am ehemaligen RAD-Lager vorbei Richtung Preitenstein. Am alten Waldweg liegt die renovierte „Kapelle im ZOO.“ Dort wurde zum ersten Mal der „Engel des Herrn“ gebetet. Nach einer Pause mit Erfrischung ist weitermarschiert worden. Am „Giwåcht,“ unter dem „Wawateich“ erzählte ich den Kindern die Geschichte über den Bär im Fasching. Man wollte den Weg zu Deutsch-Neustadl abkürzen und wählte den Weg über den Bach, der aus dem „Wawateich“ fließt. Das war mindestens für meine Jeans eine blöde Idee, weil ich beim Ausrutschen im Dreck landete. Ich nahm dann mit meiner Irene den Weg am „Schluaßbarch“ entlang, die Jungen kletterten die nördliche Seite von der Burgruine Preitenstein hoch und kamen dann auch zum „Schluaßteich,“ wo wir über den weiteren Verlauf sprachen. Es wurde beschlossen, dass wir zum Jakub Linda in sein „Emma-Laden“ gehen, da es ziemlich warm war und die Erwachsenen hatten schon Durst.
Am „Frosch- Baum….“
Vom Damm des „Schluaßteiches“ geht es steil hoch zum Schloss Preitenstein. Ich hielt die Gruppe an und sagte: „Löiwe Kinder, ich erzähle euch die Horrorgeschichte über den Mörderfrosch!“ Nach der Erzählung zeigte ich den Baum neben dem Teichdamm, wo man wirklich den Froschkopf noch heute an seinem Stamm sehen kann. Beim Jakub wurde es gemütlich: sich in der Frühlingsomme wärmen, Bier oder Kaffee trinken, sich ausruhen und Kräfte für den letzten Abschnitt sammeln. Der letzte Abschnitt ist etwa einen Kilometer lang und führt zu meiner Mama am Plachtin. Dort angekommen wurde wieder „geratscht“, Frohe Ostern gewünscht und nach einer kleinen Verstärkung ging es nach Hause. Nach einer Gemüsesuppe (es war ja Karfreitag) konnte man sich endlich nach den Wegstrapazen ein wenig ausruhen.
Karsamstag mit der Ostervigilie….
Karsamstag-Vormittag wurde der Vereinsarbeit gewidmet, dem regelmäßigen Besuch der Mama, und am Nachmittag wurden dann die Osterruten geflochten. Zu der Ostervigilie fuhr ich nach Buchau, weil die schon um 20 Uhr begann und ich wollte ein bisschen früher zu Hause sein, weil meine Frau, die erkältet war, zu Hause blieb. Die Kirche St. Michael in Buchau war gut besucht, auch der dortige Bürgermeister Miroslav Egert war anwesend. Der Hauptzelebrant war P. Mgr. Józef Franciszek Szczepaniak, CMF. Der Ostersonntag war ein schöner und warmer Tag: am Vormittag wieder der „Mama-Besuch“ und kurz nach dem Mittagessen ging es schon in die St. Jakobus- Kirche in Netschetin. Meine Frau Irene kümmerte sich um den Blumenschmuck, ich um die Holzkohle, die man beim Weihrauch braucht. Um 14 Uhr startete das Hochamt mit P. Günther Ecklbauer, OMI. Weil es draußen windig war, hielt die „Weihrauchwolke“ nicht zu lange in der Kirche. Das begrüßten viele. Nachmittag verzierten noch die Kinder die Pumpernickel und der Ostermontag konnte kommen.
Langer Osterrutengang…
Ostermontag ist der beliebteste Tag bei den Kindern und bei Erwachsenen, die mit ihren Osterruten durchs Dorf ziehen: die Kleinen bekommen Eier oder was Süßes, manchmal auch Geld, die Erwachsenen freuen sich immer über ein „Stamperl“ oder etwas zum Essen, denn vier Stunden herumzulaufen und in jedem Haus einen Schnaps in sich „eingießen“ macht doch ein wenig hungrig. Da nimmt man auch gerne ein Angebot an, einen starken Kaffee zu bekommen, oder Bier, das hilft auch. Vom letzten Haus am Plachtin, Richtung Preitenstein, eilte ich schon zum Festessen zu Hause, bei Målas II: 14 Familienangehörige kamen zu Mittagessen. In der guten Stube musste noch ein Tisch von außen gebracht werden. Zu Mittag gab es „Spanische Vögel“, was Rindsrouladen sind. Hausgemachte Hefeknödel dazu, ein Genuss! Nach dem Mittagessen wurde noch geplaudert und Kaffee getrunken, die Kinder mussten noch ihre Osternetze suchen, die diesmal der älteste Enkelsohn Richard versteckte. Es waren gelungene Ostertage!